Geschichte der Geithainer Schützengesellschaft e.V.
Karl-Heinz Karsch · Schriftführer · August 2025
Älteste Wurzeln
Die ältesten Nachrichten von Geithainer Schützen reichen bis ins 15. Jh. zurück. Ein Beleg ist die im Leipziger Grassimuseum aufbewahrte Schützenkette der 24 meißnisch-thüringischen Städte, die dem Bund bereits 1456 angehörten. Diese Kette, „Der Städte Kleinod“ genannt, trägt auch ein Stadtwappen Geithains als Beleg eines Siegers der Stadt beim Preisschießen. Mit der Reformation erfolgte 1537 die Neugründung einer Geithainer Schützengesellschaft, wie das älteste Rechnungsbuch der Stadt belegt.
„Der Städte Kleinod“
Die städtischen Schützen waren im Mittelalter Einwohner ihrer Städte und hatten diese nach einem festgelegten Plan zu verteidigen, sie zu schützen. Schützen waren Schützer ihrer Gemeinschaft. Mit dem seit der frühen Neuzeit immer üblicheren Söldnerwesen rückte die Rolle der Schützen als militärische Notwendigkeit in den Hintergrund. Die Tradition aber wurde beibehalten und mit der Armbrust auf den an einer Stange sehr hoch aufgesteckten Adler oder mit der Büchse auf Scheiben geschossen.
So auch in der Stadt Geithain, wo über die Jahrhunderte mehr oder weniger zahlreich städtische Schützen als Armbrust-, später auch als Büchsenschützen auf den Vogel oder die Scheibe schossen. Die Vogelstange und das Schützenhaus waren über die Jahrhunderte bis in die Neuzeit treue Begleiter des Schützenwesens. Natürlich waren die Schützenfeste städtische Höhepunkte, die nicht selten mehrere Tage dauerten.
Neubeginn
Diese Tradition war nach Ende des Zweiten Weltkrieges und in der Zeit der DDR unterbrochen. Erst anlässlich der 800-Jahrfeier der Stadt Geithain 1986 konnte die bereits 1985 gegründete Fachgruppe „Historische Waffen“ des Kulturbundes im Festumzug die Schützenuniform von 1870 und die Uniform der in Geithain einst stationierten Ulanen vorführen. Verwehrt war aber in jener Zeit die Neugründung eines Geithainer Schützenvereines.
Diese erfolgte erst nach der Wende am 8. März 1990 durch sechzehn Anwesende, darunter alle zehn Mitglieder der Fachgruppe „Historische Waffen“, im Gasthof Alte Post in der Bahnhofstraße. Die neu gegründete „Geithainer Schützengesellschaft e. V.“ ist der erste und somit unter der Nr. 1 eingetragene Verein im Register des Gerichtes Bad-Lausick.
Vereinsleben
Seit jenem Jahr haben die zahlreichen Mitglieder des Schützenvereins ein reges Vereinsleben entfaltet, zu dem Traditionspflege, Schießsport und Geselligkeit gehören. All diese Vorhaben sind in der Vereinssatzung und den Vereinsordnungen niedergelegt, womit wir die Richtschnur für ein reges Vereinsleben gelegt haben.
Nach dem Vorbild der schmucken Schützenuniform von 1870 ließen sich die Vereinsmitglieder ihre Uniformen schneidern und haben damit einen unverwechselbaren, traditionsverpflichteten Auftritt der Geithainer Schützen begründet. Nach der noch vorhandenen Fahne der Geithainer Schützen – sie ist als Leihgabe im städtischen Museum ausgestellt – wurde eine Replik hergestellt, die zu entsprechenden Anlässen mitgeführt wird.
Höhepunkt des Vereinslebens ist das jährliche Königsschießen im Mai. Die Proklamation des neuen Schützenkönigs erfolgt auf dem traditionellen Schützenfest im September mit der feierlichen Überreichung der Schützenkette vom vorjährigen Schützenkönig an den neuen König. Gleichzeitig wird die Ehrenscheibe vom alten an den neuen König überreicht.
Im Jahr 2001 konnte der Verein sein Schützenheim an der Tautenhainer Straße erwerben und hat damit ein festes Quartier für seine Vereinsarbeit gewonnen. Es beherbergt neben dem Saal mit beiliegender Küche für Veranstaltungen auch eine 10-m-Schießbahn für Luftgewehr und Laserschießen.
Pflege und Instandhaltung ist für die Geithainer Schützen Ehrensache.
Dem Sportschießen wird natürlich auch die notwendige Aufmerksamkeit zuteil. Monatlich einmal treffen wir uns zum Schießen mit Lang- und Kurzwaffen auf dem Schießstand in Pöppschen. Ebenso steht unser Luftgewehrstand zum Training zur Verfügung. Aber auch die Tradition mit Vorderladern und Schwarzpulver kommt nicht zu kurz.
Am vereinseigenen Luftgewehrstand wird regelmäßig trainiert – von Einsteiger bis Königskette.